Hygiene Projekt
EIn Bericht von Melanie Stenger
Als Anfang 2010 die Idee entstand, meinen Namibia Urlaub etwas zu verlängern und mit einem sinnvollen Projekt zu verbinden, hatte ich noch nicht wirklich eine genaue Vorstellung, wie das aussehen könnte. Durch die Hilfe von Sonja und Nicky und der LCFN ist dann aber ganz schnell eine konkrete Idee entstanden und mein kleines Hygiene Projekt war geboren. Der Plan war, in einigen Dörfern der Lebenden Museen Unterricht für die Kinder in Themen wie Händewaschen und Zähneputzen zu geben und über diesen Weg das Bewusstsein für Hygiene und auch gesunde Ernährung zu stärken.
Am 07. April 2011 ging es also los zum großen Abenteuer Namibia. Zunächst einmal mit einer dreiwöchigen Rundreise durch den Norden mit Arifu Tours, die bereits unheimlich spannend und aufregend war. Da es meine erste Reise nach Afrika überhaupt war, war es ein perfekter Start, da ich so das Land schon etwas kennen lernen konnte und mich schon gut akklimatisieren konnte.
Mein erstes Ziel war das Dorf Grashoek der Buschleute in der Kalahari. Hier durfte ich mein Zelt bei Lucias Familie aufschlagen und konnte so einige Tage das tägliche Leben der Buschleute miterleben. Ich war verdammt aufgeregt, als ich mich auf den Weg dorthin machte. Würde ich überhaupt heile ankommen oder mit meinem Auto im Sand stecken bleiben? Was, wenn sich keiner mehr erinnert, dass ich komme? (Es gibt dort nämlich keinen Handyempfang oder gar Festnetzanschluss, so dass ich mich noch mal kurz vorher hätte ankündigen können.) Schaffe ich es wirklich, diese Tage ohne fließendes Wasser und vor allem ohne Toilette zu überstehen oder werde ich an Verstopfung sterben? Ja, ich fand das alles wirklich extrem aufregend.
Aber alle meine Bedenken waren schnell vergessen, denn ich habe die Fahrt durch den Wüstensand gut hinbekommen und wurde auch gleich bei meiner Ankunft sehr freudig begrüßt und herzlich aufgenommen. Lucia hat sich in den Tagen rührend um mich gekümmert. Abends wurde ich dann von der ganzen Familie eingeladen, mit ihnen am Feuer zu sitzen. Dann haben 3-4 Kinder auf meinem Schoß gesessen und mir die Haare geflochten während die Erwachsenen alles über mein Leben zu Hause in Deutschland wissen wollten. Sie haben es mir also wirklich leicht gemacht, mich schnell wohl bei ihnen zu fühlen.
Grashoek hat eine eigene Schule, so dass wir die dortigen Räumlichkeiten für den Unterricht nutzen konnten. Da noch Schulferien waren, war das Interesse der Kids groß und ich hatte schnell 80 Kinder im kleinen Klassenzimmer sitzen. Es war ein ziemliches Gewusel und gar nicht so einfach die Rasselbande zum Stillsitzen zu bewegen. (Ist aber auch nicht so einfach, wenn man sich zum Teil zu dritt auf einen kleinen Stuhl quetscht) Aber mit Hilfe von Lucia und Erasmus habe ich es dann irgendwann geschafft. Die Beiden haben mir die Tage wirklich super geholfen, da vor allem die Kleinen noch nicht so gut englisch sprechen und sicherlich Probleme gehabt hätten, mich zu verstehen.
Ich hatte vor meiner Abreise eine befreundete Lehrerin in den USA und einen befreundeten Lehrer in Deutschland gebeten, das Thema Hygiene mit ihren Klassen durchzunehmen und ein paar Fotos und Bilder vom Händewaschen und Zähneputzen zu machen. So hatten wir einen Austausch zwischen drei Kontinenten und es war ein guter Start in den Unterricht, denn ich hatte eine Weltkarte dabei und die Kinder mussten erstmal suchen, wo eigentlich USA, Deutschland und Namibia liegen. Und sie fanden es natürlich toll, Bilder von anderen Kindern beim Zähneputzen und Händewaschen zu sehen.
Nachdem wir die Theorie durchgesprochen haben und festgehalten haben, warum Händewaschen und Zähneputzen so wichtig ist , wann man es machen soll und was man dafür braucht, sind wir in die Praxis übergegangen und haben wirklich Hände gewaschen und Zähne geputzt. Das war natürlich der größte Spaß! Es war toll zu beobachten, wie begeisterungsfähig die Kinder waren. So fanden sie es zum Beispiel klasse, sich die Hände so richtig einzuseifen bis es schäumt und anschließend immer wieder an den eigenen Händen und denen des Tischnachbarn zu riechen und sich darüber zu freuen, wie sauber sie sind. Um das Zähneputzen zu demonstrieren, hatte ich eine Krokodilhandpuppe dabei und eine riesen Zahnbürste. Das fanden sie auch klasse. Vor allem, weil ich dann immer eines der Kinder gebeten habe, die Puppe zu nehmen und dem Rest der Klasse zu zeigen, wie es funktioniert. Und wenn ich dann noch für jeden eine Zahnbürste ausgepackt habe, war die Freude riesen groß! Den letzten Skeptiker habe ich dann spätestens überzeugt, wenn ich die Gummibärchen und die Äpfel ausgepackt habe. So konnten wir über Zucker und Vitamine sprechen und natürlich mussten alle anschließend auch ihre Zähne putzen. Dadurch, dass Lucia und Erasmus beim Unterricht dabei waren, wurde das Thema abends am Feuer noch mal aufgenommen und ich konnte auch den Erwachsenen ein bisschen über gesunde Ernährung erzählen. Zum Abschluss des Unterrichts hatte ich Papier und Stifte dabei und die Kinder sollten malen, was sie gelernt haben. So konnten sie auch etwas mit nach Hause nehmen und es ihren Eltern zeigen.
Der nächste Stop war das Damaraland. Hier habe ich mein Zelt auf dem Community Camp nahe des Lebenden Museums aufgeschlagen. Den Unterricht habe ich dann im Haus von Hans Bernhard gemacht. Er wohnt im Dorf ganz in der Nähe des Museums und hat Kindern und Erwachsenen Bescheid geben, dass morgens und am Spätnachmittag jeweils der Unterricht statt findet. Ich hatte dann immer Gruppen von 20 – 30 Kindern und Erwachsenen. Dadurch ist alles etwas ruhiger abgelaufen. Aber die Begeisterung für das Thema war auch hier genauso groß. Interessant war auch, dass die Mütter, die dabei waren, immer interessiert zugehört haben und sich mindestens genauso über die Gummibärchen gefreut haben wie die Kinder. Beim anschließenden Zähneputzen wollten sie dann aber doch nicht mitmachen. Ich habe ihnen aber das Versprechen abgerungen, dass sie es dann zumindest zu Hause tun müssen. Ob sie´s wirklich wahr gemacht haben, ich weiß es nicht.
Mein nächstes Ziel war Swakopmund. Hier habe ich den Lucky Kindergarten im Township Mondesa besucht. Arifu Tours unterstützt diesen Kindergarten und nach dem Leben auf dem Land, war es wieder eine ganz neue Erfahrung, das Leben im Township kennen zu lernen. Die Gebühr für den Kindergarten sind 20 N$ im Monat, also ca. 2 Euro. Die meisten Eltern können oder wollen den Beitrag aber nicht bezahlen, daher muss Launa, die den Kindergarten leitet, mit wirklich wenig auskommen. Die Kinder sind den ganzen Tag dort, können aber zum Beispiel kein Mittagessen dort bekommen, da hierfür die Mittel fehlen. Trotzdem ist es ein Ort, an den die Kinder gerne kommen, denn viele von ihnen wären tagsüber alleine zu Hause oder bei Nachbarn untergebracht während die Eltern arbeiten. So können sie den Tag mit ihren Freunden verbringen und werden langsam auf die Schule vorbereitet. Sie haben mir ganz stolz das Alphabet aufgesagt, die Wochentage, die Monate und bis zehn gezählt. Für die Kinder hier war mein Besuch natürlich eine tolle Abwechslung und sie haben ganz gespannt zugehört und mit viel Spaß alles mitgemacht!
Meine letzte Station war die Topnaar Schule in der Wüste ca. 100km von Swakopmund entfernt. Es ist ein Internat, das auch von Arifu Tours unterstützt wird. Hier leben etwas über 200 Kinder und werden von 9 Lehrern betreut. Hier ist drumherum nichts außer Wüste und ich habe mich wirklich gefragt, wie man auf die Idee kommt, hier eine Schule zu bauen. Aber sie liegt wohl ziemlich zentral in der Mitte aller Dörfer und Städte aus denen die Eltern ihre Kinder dorthin bringen. Und sie sind so weit weg von Einflüssen, die sie vom Lernen abhalten könnten, so dass die Prozentzahl der Kinder, die die Schule wirklich beendet hier wohl relativ hoch ist. Aber auch hier müssen die Kinder mit wenig zurecht kommen. Durch die starken Regenfälle in diesem Jahr und das Hochwasser des nahe gelegenen Flusses Kuiseb ist die Wasserversorgung der Schule seit Februar abgeschnitten und sie müssen sehr sparsam mit Wasser umgehen, da sie nun täglich mit Wassertanks versorgt werden müssen. Auch das Telefon funktioniert nicht mehr und die Stromversorgung bricht oft zusammen. Also keine allzu leichten Bedingungen, um 200 Kinder zu unterrichten. Aber auch hier bin ich auf fröhliche Kinder getroffen, die alle ganz gespannt auf meinen Unterricht waren. Da ich natürlich nicht mit allen 200 Kindern den Unterricht machen konnte, haben der Lehrer und ich uns entschieden, dass wir es mit den Kindern der ersten Klasse machen. Dabei ist es natürlich nicht ganz geblieben, denn sobald die anderen mitbekommen haben, dass ich da bin, wollten sie auch wissen, was los ist und so hatte ich ca. 40 Kinder im Klassenraum und noch mal 40 Kinder, die an den Fenstern hingen.
Insgesamt war das Projekt eine tolle Erfahrung für mich, die ich so schnell sicherlich nicht vergessen werde. Interessant war, dass die meisten Kinder schon ziemlich genau wussten, worauf es beim Thema Hygiene ankommt. Ich denke, sie werden in der Schule schon auch über dieses Thema gesprochen haben. Das Umsetzen im täglichen Leben ist dann aber doch noch eine ganz andere Sache. Es ist aber auch nicht einfach, wenn es keine richtige Wasserversorgung gibt und vor allem, wenn das Thema für die Eltern nicht besonders wichtig ist. Man müsste sicherlich viel regelmäßiger in den Schulen mit den Kindern Händewaschen und Zähneputzen, so dass sie anfangen, es auch zu Hause umzusetzen. Ich denke aber, dass die Kinder auch durch die wenigen Tage Unterricht schon etwas mitnehmen konnten und vor allem viel Spaß dabei hatten. Vielleicht finde ich ja einen Weg, sie demnächst mit neuen Zahnbürsten zu versorgen und sie damit zu motivieren, weiterhin Zähne zu putzen.
Melanie Stenger




