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Neuigkeiten bei den Ovahimba

Im entstehenden Lebenden Museum der Himba

LCFN-Mitglieder Sonja Iwanek-Kirchner und Nicolaas Kirchner, die momentan eine Gruppe Ovahimba westlich von Opuwo bei der Errichtung eines Lebenden Museums unterstützen, haben mit 6 „Test-Gästen“ das entstehende Museumsdorf besucht und berichten über Fortschritte und Herausforderungen bei der Entwicklung des Projektes.

Das Museum an sich ist fertig! In Rekordzeit hat die Gruppe der Himba einen Kraal und ein Museumsdorf erbaut, in dem in verschiedenen Hütten ihre traditionelle Kultur dargestellt werden kann. Die Lage ist gut, auch mit kleinen PKWS ist das Museumsdorf zu erreichen, eine Seltenheit im „wilden Kaokoveld“. Der Testlauf mit den Gästen von Nicky und Sonja war erfolgreich, die Aktivitäten spannend und anschaulich, es wurde durch externe Guides und Übersetzer (im Dorf selber spricht leider niemand Englisch) alles gut erklärt. Die Gruppe war hoch motiviert und hat ein gesundes Selbstbewusstsein ausgestrahlt. Wären da nicht einige fundamentale Probleme könnte man das Museum schon eröffnen, aber es gibt doch noch so einige Komplikationen.

Im entstehenden Lebenden Museum der Himba

Allen voran die Finanz: Gewöhnlich werden durch Touristen besuchte Ovahimba für ihre kulturelle Dienstleistung in dem Sinne nicht bezahlt. Unter dem Vorwand, die Kultur durch Geld nicht zu verderben, schenkt man den Menschen in den besuchten traditionellen Dörfern Zucker, Tabak, Maismehl und sonstiges. Dies ist gängige Praxis und wird bis heute von allen Reiseveranstaltern in Namibia hingenommen und praktiziert. Ein beliebtes Argument ist, dass man die Ovahimba dadurch gern vom Alkohol abhalten will, der ansonsten gekauft wird. Dass auf Seiten der Himba nach einer solchen Bezahlung in Naturalien auch mal ein Sack Maismehl gegen eine Kiste Bier eingetauscht wird, wird dabei selten zur Kenntnis genommen.

Im entstehenden Lebenden Museum der Himba

Die Bezahlung durch Naturalien ist ein Umstand, den wir mit der Eröffnung des Lebenden Museums gern ändern möchten. Erstens soll es eine faire Bezahlung in einer Höhe geben, die der kulturellen Leistung angemessen ist und zweitens soll dadurch auch erreicht werden, dass die Ovahimba selbst entscheiden, wofür sie Geld ausgeben und den Umgang mit Geld im Allgemeinen praktizieren, denn ohne dieses kommt auch in Namibia kaum ein Mensch mehr aus.

Als es bei dem Projekttreffen darum ging, wer nun für die erbrachte Leistung Geld erhält (die 6 Gäste bezahlten die üblichen Preise für ein Vollprogramm in einem Lebenden Museum), meldeten sich auf einmal viele Männer, die die Aktivitäten im Schatten eines Baumes sitzend von der Ferne nur beobachtet hatten und forderten das Geld für sich ein. Als Sonja und Nicky daraufhin das Finanzkonzept des Lebenden Museums nochmals erklärten und deutlich machten, dass es Geld nur für diejenigen geben sollte, die an den Aktivitäten teilgenommen haben (also fast ausschließlich Frauen), kam es zu weiteren energischen Diskussionen. Die Ovahimba Frauen, die 95 % der Arbeit erbrachten, setzten den Argumenten der Männer nichts entgegen und schwiegen.

Im entstehenden Lebenden Museum der HimbaHier werden noch einige Probleme auf die LCFN zukommen. Das Konzept des Lebenden Museums, so wie die LCFN es als fair betrachtet, wird es nicht leicht haben, sich gegen die hierarchischen Machtstrukturen durchzusetzen. Eine andere Lösung kann es aber nicht geben, denn ein Lebendes Museum kann nur dann funktionieren, wenn die Menschen die darin arbeiten, fair und gerecht für ihre Arbeit (und ihren kulturellen Auftrag) entlohnt werden. Die herrschenden Hierarchiestrukturen im Bezug auf die Museumsarbeit zu billigen (und das womöglich noch als interkulturell kompetent darzustellen) kommt für die LCFN nicht in Frage. Es wird folglich nichts anderes übrig bleiben als die kompromisslose Umsetzung fairer Regeln der Finanzverteilung zu fordern und daran auch die Unterstützung in Bezug auf Marketing etc. des Lebenden Museums zu binden.

 

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