News 3/4. Quartal 2010
Entwicklungen in Samsitu
Große Fortschritte bei der Projektgruppe der Mbunza
Nach dem LCFN Besuch bei den Mbunza (eine Untergruppe der Kavango) im Juli 2010 war es im November wieder an der Zeit für einen Besuch, um Fortschritte zu analysieren und die Gruppe weiter zu motivieren. Hier ein Bericht von Sebastian Dürrschmidt:
Vor jedem Besuch bei der Gruppe der Mbunza habe ich die (berechtigte) Befürchtung, dass keinerlei Entwicklungserfolge zu sehen sind, dass das Projekt wieder stagniert oder dass sich die Projektgruppe zerstreut habe. Diese Befürchtungen begründen sich auf Erfahrungen der letzten fünf Jahre. Seit 2005 erklärten wir unser Konzept auf und ab des Okavangoflusses – anfangs leider mit bescheidenem Erfolg. Seit Juli 2008 arbeiten wir nun mit einer Projektgruppe zusammen, die das Projekt des Lebenden Museums ernsthaft verfolgt. Doch auch dort mussten wir 2 Jahre warten, bis es für die LCFN sichtbare Erfolge nachzuweisen gab.
Natürlich müssen wir uns seit je her in unserer Entwicklungsarbeit in Geduld üben. Dadurch, dass die Projekte von der lokalen Bevölkerung aufgebaut werden, entsprechen die zeitlichen Maßstäbe einem etwas anderen als dem europäischen Rhythmus. Der größte Faktor für ein erfolgreiches Gelingen ist der Aufbau von Vertrauen und das grundlegende Verständnis des anfangs recht abstrakt wirkenden Konzepts des Lebenden Museums. Das braucht sicherlich einiges an Zeit. Dennoch ist es für uns natürlich von entscheidender Bedeutung, zu sehen, dass etwas vorwärts geht. Unser Konzept, mit einem möglichst geringen finanziellen Aufwand möglichst viel für die Menschen in Namibia zu tun, funktioniert nur dann, wenn man Projekte, die einfach nichts werden wollen auch mal zu den Akten legt. Genau diese Befürchtung hegte ich auch während diesen Jahres, wenn es um das Lebende Museum der Kavango ging.
Um es vorweg zu nehmen: Nach meinem Projekttreffen im November bin ich mir zum ersten Mal hundertprozentig sicher, dass dieses Museum tatsächlich irgendwann funktionieren kann. Die Gruppe unter Leitung des jungen Managers Sebron Ruben ist motiviert und hat das Konzept verstanden und verinnerlicht. Das traditionelle Museumsdorf 10 km westlich von Rundu am Samsitu-See (einem See der aus der jährlichen Überflutung des Okavangos entsteht) mit einigen Hütten und einem großen Pfahlzaun ist zu 85% vollendet. Die Kleidung der Frauen sieht schon sehr gut aus, die Männer sind momentan damit beschäftigt Felle zu gerben, um sich daraus traditionelle Kleidung herzustellen. Schmuck, Reusen, Bastkörbe sind von guter Qualität und die traditionellen Tänze sind sehr beeindruckend, auch wenn das Tanzen und Singen bei den jungen Akteuren des Museums noch weiter trainiert werden muss.
Herausforderungen im Mbunza Living Museum
Herausforderungen gibt es natürlich auch noch. In der Kultur der Mbunza gibt es eine weit größere Spezialisierung auf verschiedene Berufsklassen, als wir das im Rahmen unserer Entwicklungsarbeit sonst beobachten konnten. Nicht jeder Mann ist Schmied, Holzschnitzer und Fischer zugleich, nicht jede Frau töpfert oder fertigt die komplizierten traditionellen Haartrachten. Die große Herausforderung, die es im neuen Jahr für die Projektgruppe zu bewältigen gibt, ist es alte Menschen der Gemeinschaft um sich zu versammeln, die den zahlreichen jungen Männern und Frauen grundlegendes Basiswissen ihrer Berufe vermitteln können. Dazu organisiert die LCFN Ende Januar einen größeren Workshop, in dessen Mittelpunkt die Herstellung von einem Satz Trommeln und einem großen Wato (Traditionelles Kanu) stehen, sowie die Erlernung folgender Techniken: Töpfern, Haartrachten, Schmieden. Wir werden ausführlich von diesem Workshop berichten!
Fazit: Ich war beeindruckt von der Entwicklung im zukünftigen Museum und ich bin guter Dinge, dass bei bleibender Motivation das Lebende Museum der Mbunza Mitte des Jahres 2011 eröffnet werden kann.
Sebastian Dürrschmidt
Enttäuschung für die LCFN
Das Nharo Museum wurde geschlossen
Wir bedauern es sehr, aber wir mussten leider das Lebende Museum der Nharo-San schließen, was sich auf der Airport Gästefarm von Uwe Trümper befand.
Das Museum wurde nach einer Idee von Werner Pfeifer und einigen Ju/’Hoansi aus dem Lebenden Museum in Grashoek im Februar 2010 initiiert und gegründet. Eine Gruppe Ju/’Hoansi wollte gern in der Nähe von Windhoek arbeiten und einigen Nharo-Buschleuten die Möglichkeit geben, ein eigenes Lebendes Museum aufzubauen. Die Idee und das Museum wurden von der Living Culture Foundation Namibia gefördert und unterstützt.
Der Ansatz dieses Museum war es, eine Bildungs- und Kulturinstitution nicht nur für Touristen, sondern auch für namibische Studenten und Schüler zu sein, sowie für Windhoeker, die nicht die Möglichkeit haben, weit zu reisen, um eins der anderen Lebenden Museen zu besuchen, um die faszinierende Kultur der Buschleute auf Augenhöhe kennen zu lernen. Wir bekamen in dieser Hinsicht auch viele positive Reaktionen, besonders bei der Kooperation mit der Universität von Namibia (UNAM) und TUCSIN, dem University Centre for Studies in Namibia. Auch viele Schulkinder haben den Ausflug zum Nharo Museum sehr genossen. Im September fanden wir eine Gruppe Nharo, die am Konzept des Lebenden Museums Interesse zeigten. Sie wurden in der Folgezeit von den Ju/’Hoansi in traditionellen Fertigkeiten trainiert, so lernten Sie unter anderem die traditionelle Fellgerbung, das Herstellen von Waffen und Werkzeugen, etc. Jedoch stellte sich kurz darauf heraus, dass die Mehrzahl der Ju/’Hoansi in ihr Dorf in der N#a Jaqna Conservancy, westlich von Tsumkwe zurückkehren wollten und die Nharo-San, die die Chance hatten, das Lebende Museum nun zu übernehmen, entschieden sich dagegen und kehrten ebenfalls zurück in ihre Dörfer. Eine andere Familie konnte gefunden werden, jedoch mussten diese nach nur zwei Wochen Arbeit im Museum zu einem Begräbnis in ihr 800 km entferntes Dorf zurückkehren und ließen das Museum für anderthalb Wochen leer zurück.
Letztendlich müssen wir nun einsehen, dass das Konzept des Lebenden Museums wirklich ein gemeinschaftsbasiertes (Community based) Konzept ist. Ein Lebendes Museum kann nur erfolgreich funktionieren, wenn es die Projektgruppe aus sich selbst heraus erschafft, was es natürlich auf privatem Farmland sehr schwierig macht, weil es wenig Unterstützung der erweiterten Familie (extended family) gibt und die Projektgruppen abhängig vom Farmer sind. Aus verständlichen Gründen ist die Zahl der auf einer Farm arbeitenden Menschen limitiert, ein Fakt, der die Umsetzung eines Lebenden Museums sehr schwierig macht, da die Community bei Ausfällen nicht einspringen kann und die Projektgruppe auch irgendwann Heimweh bekommt. Aus diesen Gründen fehlte es dem Lebenden Museum der Nharo-San zum Ende hin zugegebenermaßen an Enthusiasmus, den wir stets bei unseren anderen Projekten erleben konnten und ohne den ein Lebendes Museum einfach nicht funktionieren kann.
Uwe Trümper und seine ganze Familie unterstützen das Projekt nach Kräften und wir danken allen von der Airport Gästefarm für die Zusammenarbeit und für die Möglichkeit, auf der Farm ein Lebendes Museum zu etablieren. Uwe war immer daran interessiert, die Tradition und Kultur der San Besuchern näher zu bringen und die Gruppe der Ju/’Hoansi und Nharo zu unterstützen.
Die Schließung des Lebenden Museum ist eine große Enttäuschung für alle Involvierten und ein herber Rückschlag für die Arbeit der Living Culture Foundation Namibia. Hoffentlich ist diese Erfahrung ein Weg, unser Konzept und die Menschen, mit denen wir arbeiten besser zu verstehen.
Ein großes Dankeschön an alle, die das Projekt unterstützt und Freude daran gehabt haben, die Kultur der Buschleute im Nharo Museum kennen und verstehen zu lernen.
#Khomani Workshop im Lebenden Museum der Nharo
Im Mai erhielten wir eine Einladung von der südafrikanischen Entwicklungsorganisation African Safari Lodge Foundation, unser Konzept der Lebenden Museum einer Gemeinschaft von #Khomani- San vorzustellen, die südlich des Kgalagadi Transfrontier Parks im Ländereck Südafrika, Botswana und Namibia leben.
Vom 10.05 – 14.05 reisten Werner und Sebastian von der LCFN in Begleitung von /Gao und Erina vom Ju/’Hoansi-Museum in Grashoek nach Südafrika, um dort ein Lebendes Museum zu initiieren beziehungsweise die Idee zu bewerben. Die verschiedenen Projekttreffen verliefen sehr erfolgreich, doch – wie wir immer wieder feststellen können – ist die große Schwierigkeit, die mit einem Lebenden Museum verbunden ist, vom Verständnis der Theorie die weiteren Schritte in die Praxis zu bewerkstelligen. Noch während der Woche in Südafrika entstand deshalb die Idee, einen Workshop für die #Khomani im Nharo Museum in Namibia zu organisieren, damit direkt vor Ort ein Einblick in die praktische Arbeit gewonnen werden kann.
Nachdem sich ein Team #Khomani zusammengefunden hatte, die Interesse am Konzept des Lebenden Museum zeigten, wurden von südafrikanische Seite Pässe sowie Transport nach Windhoek organisiert. Am 03. September war es dann soweit. Nachdem der Reisebus, mit dem die Khomani ankamen, einige Stunden Verspätung hatte, empfingen wir die Gruppe von 12 Personen herzlich in Windhoek und fuhren Sie ins Nharo Museum, wo sie von den dort arbeitenden Buschleuten empfingen wurden.
Nachdem der erste Tag ausschließlich für die Erholung der Reisenden genutzt wurde, entwickelte sich in der folgenden Woche eine gute Arbeitsdynamik. Die #Khomani konnten einen fundierten Einblick in die praktische Arbeit im Lebenden Museum erlangen, wobei im Mittelpunkt des Workshops die Herstellung einer kompletten traditionellen Ausrüstung für Männer und Frauen stand. Die #Khomani konnten sich zahlreiche traditionelle Techniken aneignen, die bei ihnen in Südafrika über die Jahre in Vergessenheit geraten waren, z.B. die traditionelle Fellgerbung und Kleidungsherstellung. Weiterhin wurden Bögen, Köcher, Messer, Speere und bei den Frauen authentischer Schmuck etc. hergestellt.
Auch wenn das Ziel, für jeden einzelnen der Gruppe eine komplette Ausrüstung herzustellen in Anbetracht der kurzen Zeitspanne von einer Woche nicht erreicht werden konnte, so war der Workshop doch insofern sehr erfolgreich, dass – wie die #Khomani feststellten – sie nun wieder „das ganze Buschmannwissen in ihren Köpfen haben“. Durch die gemeinsame Arbeit im Nharo Museum konnte sicherlich die Gruppe in sich gefestigt werden. Auch durch ein tieferes Verständnis des theoretischen Konzeptes, welches während des Workshops erlangt werden konnte, entstand eine hohe Motivation ein Lebendes Museum in Südafrika nachhaltig und erfolgreich umzusetzen. Am 12. September war die Zeit schon wieder um - die im Nharo Museum neu gewonnenen Freunde aus Südafrika mussten die Heimreise antreten. Unser Eindruck am Ende war, dass die Gruppe der Khomani zwar müde aber motiviert vom traditionellen Workshop die Rückreise antraten und guter Dinge waren, ihr Lebendes Museum in Südafrika schnell und zielstrebig umsetzen zu können. Dieser Eindruck bestätigte sich später auch durch Rückmeldungen aus Südafrika.
Jetzt geht es darum, die #Khomani weiterhin zu motivieren, zusammenzuarbeiten und eine Struktur zu entwickeln, die im Nharo Museum gewonnenen Erkenntnisse in die Tat umzusetzen.
Besuch bei den Ovahimba
2. Treffen mit der Projektgruppe bei Opuwo
Nachdem Sonja und Nicky von der LCFN im Juli eine Gruppe Ovahimba bei Opuwo getroffen und ihnen unser Konzept der Lebenden Museen erklärt hatten, gab es im Oktober ein zweites Treffen mit der Gruppe. Hier finden Sie Sonjas Bericht:
Mein Besuch bei den Himba war gekoppelt an einen Besuch von der Touristengruppe des Opuwo Country Hotels im selben Dorf, was mir zuerst gar nicht recht war, denn ich befürchtete, dass die Himba zwischen dem Interesse der LCFN und den Touristen nicht unterscheiden würden. Die Befürchtung war zum Beispiel, dass auch von uns erwartet werden würde, Gastgeschenke mitzubringen, wie das bei den Touristen, die die Himba besuchen üblich ist. Ich machte den beiden Guides, die mich vom Hotel aus begleiteten bereist vorab klar, dass wir keine Gastgeschenke machen, sondern, dass unser Geschenk die Idee ist, die wir bringen und die sie aus eigener Kraft verwirklichen müssen.
Es stellte sich aber doch als gut heraus meinen Besuch an die Touristenvorstellung zu hängen, denn so waren eben mehrere Himba zusammengekommen und hatten auch ihren Schmuck ausgebreitet, den wir dann auch noch auf Originalität begutachteten.
Gemeinsam mit allen setzten wir uns dann in den Schatten und einige der Anwesenden erinnerten sich sehr gut an die Idee der Lebenden Museen. Natürlich ist bis dato nichts in Bezug auf den Bau eines Museums geschehen, aber wer traut auch dahergelaufenen Weißen und ihren immer neuen Ideen beim ersten Mal – ist auch verständlich, würde ich auch nicht!
Also berichtete ich nochmals überdas Konzept, Männer wie auch Frauen waren bereit und nickten, das so umzusetzen. Es gab teils sehr konkrete Fragen zum Konzept, wie z.B. „Sollen wir eine komplette Herde Ziegen ins Museum nehmen oder nimmt jede Familie des Dorfes 2 Ziegen mit ins Museum? Wie viele Leute aus jeder Familie sollen teilnehmen? Soll das Museum aus einem Kral mit Zaun oder ohne bestehen? Usw. Da es nun ja wirklich sehr konkret wurde, schlug ich vor, gleich einen Platz auszuwählen, der geeignet sei. So zogen mindestens 10 Männer und Jungs mit mir los, um einen geeigneten Platz auszuwählen.
Vor Ort gab ich dann noch einige Anregungen (keine Telefonleitung im Hintergrund des Museums, ein paar Schattenbäume im Museum usw.). Die Fragen hörten nicht auf: Sollen wir auch das Ausschlagender Zähne zeigen? … Und ich nahm diese Frage zum Anlaß, zu erklären, dass ein Museum nicht alles real zeigen muss, sondern dass man die Kultur erklären kann, ohne alles vorzuführen, um die Privatsphäre der Menschen zu wahren. Dies betreffe auch das hygienische Ausräuchern der weiblichen Genitalien. Diese Praxis kann erklärt werden, sollte aber nicht unbedingt gezeigt werden.
Auch die do`s and dont`s im Konzept des Lebenden Museums wurden besprochen: Traditionelle Kleidung muss ohne Plastik und Stoff auskommen - das war jedem sofort klar und einige der Männer hatten bereits ihre traditionellen Werkzeuge und auch teilweise die Kleidung geholt - erstaunlich was da schon spontan auftauchte. Große Begeisterung und Ideen gab es ebenfalls bei dem Punkt eines eigenes Logos. Da war man sich sofort einig, dass man ein Logo beim Melken der Tiere haben muss. Buschleute mit Pfeil und Bogen, Mafwe Hirse stampfend, Himba melkend, das war sofort beschlossene Sache.
Alles in allem war dies ein überaus positiver und vielversprechender Besuch bei den Himba. Nachdem wir herzlich und überschwänglich verabschiedet wurden, fuhr ich mit Konza und Kemuu, den beiden Himba Guides nach Opuwo zurück, wo wir uns dann nochmals im Kaoko Information Center, dem von Kemuu und seinem Partner gegründeten Zentrum in der Mitte Opuwos zusammensetzten. Mit diesen drei Guides besprach ich dann nochmals die Hintergründe des Lebenden Museum Konzeptes und der LCFN. Diese wirklich intellektuellen und erfahrenen Guides können und werden uns eine riesige Hilfe sein, denn das größte Problem ist tatsächlich das Guiding. In den Dörfern spricht wirklich niemand englisch, nicht mal die Jugend. Warum soll nicht das Kaoko Information Center der Koordinationspunkt, die Rezeption für das Lebende Museum in der Stadt Opuwo sein. So wie es die drei einschätzen, werden in den umliegenden Dörfern auch Lebende Museen entstehen, denn sobald erstmal wirklich Geld verdient wird und nicht mehr mit Zucker und Mehl gezahlt wird, wollen das alle haben.
Dann kann man eben auch gerecht die gebuchten Touren auf die Dörfer aufteilen, genug Touristen kommen auf jeden Fall und wenn sich das Lebende Museum dort oben durchsetzt, dann reicht eines sowieso nicht.
Wir schauen mal! Ich denke aber, dass uns diese drei eine große Hilfe im schwierigen Kommunikationskontakt sein werden und mit ihrer Erfahrung vielleicht auch langsam lokale englisch sprechende Guides in den Dörfern ausbilden können.
Sonja-Iwanek-Kirchner
Nama Exkursion
Ein Bericht von Kathrin Dürrschmidt
Seit Längerem versucht die LCFN nun schon vergebens, auch in einer Namagemeinschaft das Konzept des Lebenden Museums weiterzugeben. Nun hatten innerhalb der vergangen Monate drei verschiedenen Gruppen bei uns angefragt und Interesse an den Lebenden Museen gezeigt und so machte sich Familie Dürrschmidt am 11.11. auf den Weg gen Süden.
11.11.2010. Hoachanas
Nach dem - mal wieder verzögerten - Aufbruch aus Windhoek erreichten wir mittags Hoachanas. Aus Hoachanas hatte eine gewisse Elfriede Topenaar mit uns Kontakt aufgenommen und uns um ein Treffen zwecks mehr Infos über die Lebenden Museen gebeten. Unter schattigen Prosopis-Bäumen fand das Treffen dann mit sieben Teilnehmern statt. Elfriede ist eine sehr aufgeschlossene, junge Frau. Wir erklärten das Konzept ausführlich und fuhren anschließend noch ein Stück aus Hoachanas raus und fanden einen geeigneten Platz für ein Museum im Schatten einiger Schäferbäume. Elfriede hat ein eigenes Fahrzeug, was die ganze Aktion ungemein vereinfachte. Auch hat sie durch ihre Sekretärstätigkeit an der Schule Zugang zum Internet und so hoffen wir hier auf eine gute Kommunikation.
12.11.2010 Gaichanas
Heute lag ein noch längerer Fahrtag als am Vortag vor uns. Über Mariental ging es nach Berseba. Hier trafen wir Thomas Oarum und fuhren mit ihm nochmal 30 Kilometer am Brukkaros Krater vorbei zu einem kleinen Ort Namens Gaichanas. Hier lernten wir auch seine Frau Lucia Estelle kennen. Thomas ist Schulleiter der kleinen Schule in Gaichanas. Das Treffen fand im kleinen Rahmen statt. Vier Teilnehmer waren zugegen und das Konzept wurde auch hier nochmals detailliert besprochen. Thomas hatte im Vorfeld schon einen möglichen Platz ausgesucht und dieser erwies sich dann auch als sehr geeignet. Auch hier schien das Interesse, ein Museum aufzubauen echt, zu sein.
13.11.2010 Gibeon
Das letzte Treffen fand in Gibeon statt. Gibeon ist ein relativ großes Dorf, dass leider unter einer sehr hohen Kriminalitätsrate, Alkoholmissbrauch und weit verbreiteter Armut leidet. Hier hatte Uno mit uns Kontakt aufgenommen. Die gebürtige Gibeonerin leitet heute ihr eigenes Reisebüro in Windhoek und hofft, dass der Aufbau eines Lebenden Museums in der Nähe von Gibeon wenigstens einigen Menschen wieder eine Perspektive geben kann. Wir konnten nach dem theoretischen Teil auch einen sehr schönen Platz am Fischfluss festlegen, der sich hervorragend für die Erschaffung eines Museums eignet.
Fazit:
Alle drei Treffen waren viel versprechend und wir hoffen, dass wenigstens eine Gruppe es schafft, ein Nama Lebendes Museum aufzubauen. Alle machten einen sehr kompetenten und interessierten Eindruck.
Wie bei den Damara, so ist auch bei den Nama ein Grossteil der traditionellen Kultur in Vergessenheit geraten und es bedarf intensiver Nachforschung und großem zeitlichen Aufwand, diese zu rekonstruieren. Für uns heißt es nun auf Rückmeldung aus den verschiedenen Gemeinden zu warten und auf gute Neuigkeit zu hoffen.
Kathrin Dürrschmidt
Unsere Mitglieder
Ralf Johänntges
An dieser Stelle möchten wir wie immer die Gelegenheit nutzen, um einige Mitglieder unseres Vereins in Deutschland vorzustellen, die sich immer wieder aktiv und mit viel Einsatzfreude für die LCFN und die Kultur in Namibia stark machen. Heute Ralf Johänntges.
Ralf Johänntges hat schon seit Jahren das Namibia-Fieber gepackt. Als selbstständiger Tischler und vor allem Bogenbauer ist er in den deutschen Wintermonaten einem inneren Zwang unterlegen, jedes Jahr über mindestens 2,5 Monate im sommerlich heißen Namibia zu regenerieren. Dadurch ist Ralf, der eines der Gründungsmitglieder des Living Culture Namibia Vereins in Deutschland ist, sehr regelmäßig aktiv in Namibia. Er bereist oft unsere Projekte und hilft vor allem, wenn es um die praktische Umsetzung von Ideen geht. So war er bei einigen traditionellen Workshops anwesend und half beispielsweise beim experimentellen Bogenbau mit den Damara, er fertigt unsere Informationsvitrinen an und unterstützt uns natürlich auch mit Rat und guten Tipps bei Projektumsetzungen. Zurück in Deutschland organisiert er seit zwei Jahren das sogenannte Buschmann- Bogenturnier, dessen Erlös an die LCFN geht.
Ralfs Johänntges Bericht zum zweiten Buschmannturnier im ARTchers Land
Anlässlich des zweiten Besuchs von Werner Pfeifer während seiner Vortragsreise in Europa fand wie schon im letzten Jahr ein Benefizturnier zugunsten des LCFN statt. Am 7. und 8. August fanden sich an zwei Tagen ca. 250 traditionelle Bogenschützen auf dem alten Munitionsdepot in Dedelstorf ein um sich mit den anderen Schützen zu messen oder um Freunde und Bekannte zu treffen und einfach Spaß zu haben.
Bereits im letzten Jahr war das Turnier sehr gut angekommen und einmal für einen guten Zweck zu schießen wurde von allen Teilnehmern sehr gelobt. Besonders weil es um die Buschleute ging deren Lebensweise sehr stark vom Umgang mit Pfeil und Bogen geprägt ist womit sie der traditionellen Bogenszene natürlich besonders am Herzen liegen. Die Wissenslücken der Teilnehmer konnte Werner dann in seinem mitreißenden Vortrag am Samstagabend schließen.
In diesem Jahr hat Werner dann gleich vier Buschleute aus Grashoek mit nach Deutschland gebracht was für uns etwas ganz besonderes ist. So sollte in diesem Jahr auch das Turnier etwas Besonderes sein. Schon vor dem eigentlichen Termin fing das ARTchers Land Team an, afrikanische Zielscheiben - also lebensgroße Tierattrappen aus Ethafoamplatten - herzustellen. So konnten wir am Turniertag 25 afrikanische Ziele von 35 zu schießenden stellen. Für das leibliche Wohl unserer Schützen sorgten das Wildschwein und die Pute am Spieß, auf offenem Feuer gegrillt. Worüber sich /Gao besonders gefreut hat. Es gab an beiden Tagen einen LCFN Infostand an dem Schmuck aus den lebenden Museen verkauft wurde und alle Fragen zu unserer Arbeit erschöpfend beantwortet wurden. An dem Turnierwochenende, das allen Beteiligten sehr viel Spaß gemacht hat, konnten aus den Turniereinahmen 1480,- Euro an die LCFN gespendet werden.
Ich danke allen Mitorganisatoren für die tolle Hilfe und den beispielhaften Einsatz. Wir freuen uns auf das nächste Buschmannturnier in 2011.
Ralf Johänntges




