Workshop bei den Kavango
Das lebende Museum der Mbunza nimmt Formen an.
Wie bereits im vorigen Jahr angekündigt, führte uns die erste LCFN-Projekttour 2011 an den schönen Okavangofluss nahe Rundu, wo wir einen kleinen Workshop organisiert hatten, um die Kavango von der Projektgruppe des Mbunza Living Museums bei dem Aufbau ihres Lebenden Museums in Samsitu zu unterstützen. Hier der Bericht:
Na ja - begleitet von Wolkenbrüchen erreichten wir am Abend etwas erschöpft Rundu und bauten unser Zeltlager beim Campingplatz der Kalizo-Lodge auf. Das Wetter hier war Gott sei Dank etwas freundlicher als in Rest-Namibia.
Sebron, der Manager des Museums, hatte seine Projektgruppe, bestehend aus 25 Mbunza, zu insgesamt fünf Programm-punkten versammelt:
Die zwei Ältesten der Gruppe, Bonifazius und Rudolph zeigten den anderen im Verlauf des Tages verschiedene Techniken der Schnitzerei (Herstellung eines Einbaums, Schnitzen von Messerstielen, etc.).
Sebrons Mutter und weitere Frauen der Projektgruppe veranschaulichten, wie die traditionelle Haarflechterei bei den Mbunza funktionierte. Hierbei war es bemerkenswert, dass sich eine ältere Frau bereit erklärte, den Bast, den man aus der Wurzel eines bestimmten Baumes gewinnt, direkt in die Haare flechten zu lassen. Dies kommt einem Bekenntnis zur authentischen Arbeit im Lebenden Museum gleich, da es bei allen anderen Projekten, die so am Okavango existieren, lediglich zur Anfertigung von Perücken kommt, die dann bei den Tänzen aufgesetzt werden.
Der eigentlich Grund für die Notwendigkeit des Workshops waren aber drei andere wesentliche Bestandteile des Kavango-Kunsthandwerks, die niemand aus der Projektgruppe mehr kannte: Töpferei, Schmiedkunst, Trommelbau. Dafür wurden drei Meister (und es waren tatsächlich Meister) dieser Fertigkeiten eingeladen.
150 km aus dem Süden extra für den Workshop angereist kam Samukuta Mahando Rooide, eine sehr sympathische Töpferin, die in den beiden Tagen des Workshops die Grundkenntnisse der Töpferkunst darlegte und die Projektgruppe immer wieder motivierte, selbst Hand anzulegen und sich kleine Töpfe herzustellen. Für uns war es toll anzusehen, mit welchem Eifer da 25 Kavango gleichzeitig töpferten, immer wieder unterstützt von Frau Roide. Am Ende des zweiten Workshoptages standen dann auch 25 kleine Töpfe und eine Tonpfeife bereit, die darauf warteten, vorzutrocknen, um anschließend im Feuer gebrannt zu werden.
Auf die Meister im Trommelbau und in der Schmiedekunst mussten wir etwas länger warten. Schon wollte ich ungeduldig werden und einen Tageslohn Trainergehalt streichen, als die beiden aus Angola um 14:30 Uhr doch noch gemächlich eintrudelten. Als wir dann aber sahen, mit welch einem Elan und Eifer diese beiden Angolaner, Lucas Simbali Inja und Diwau Ndala plötzlich loslegten, wandelte sich Frust in Freude. Mit wahnsinniger Fingerfertigkeit arbeiteten diese beiden und zeigten der Projektgruppe wie man richtig mit Blasebalg, Schmiedhammer und traditioneller Axt umgeht, um Messer, Einbaum, Trommel, Pfeilspitze, Mahango-Stampfer, etc. herzustellen. Auf mehreren Baustellen rotierten sie und sowohl für die Projektgruppe, als auch für uns war es einfach nur toll, zuzuschauen und mitzumachen. Mehrfach schlugen wir auch daraufhin vor, dass die beiden angolanischen Mbunza Teil des Museum werden könnten, denn sie verstanden ihr Handwerk wirklich meisterhaft und wären aus diesem Grund einfach eine große Bereicherung des Museums.
Alles in allem waren wir hochzufrieden mit den anderthalb Tagen Workshop. Diesmal wurden keine großen Worte über Bedeutung und Ziel eines Lebenden Museum verloren, es ging einfach darum zu machen und es war wirklich schön zu beobachten, wie viel Freude es allen Beteiligten machte. Auch das Wetter stimmte übrigens (Sebron sagte mir, einige aus dem Dorf hätten den Regenmacher bestochen, mal die Sonne scheinen zu lassen – nicht nur wegen dem Workshop, auch wegen der anstehenden Mahango-Ernte).
Jetzt wird es im entstehenden Lebenden Museum darum gehen, diese Fertigkeiten zu festigen und auf eine vorkoloniale Ebene zurückzuführen. Vor allem beim Schmieden und beim Töpfern wurde noch viel mit Plastik und Blechdosen gearbeitet. Aber die Gruppe ist wirklich auf einem guten Weg und wir hoffen, dass die Eröffnung des Lebenden Museums bald in erreichbare Nähe rücken kann.
Sebastian Dürrschmidt











