Wie alles begann...
Der Anfang des Lebenden Museums der Ju/'Hoansi - Erfolgsgeschichte aus der Kalahari
Der Lehrer Ghau N!aici aus Grashoek, einem kleinen Dorf am Rande des riesigen Kalahari-Beckens, konnte sich Anfang 2004 glücklich schätzen, auf den namibischen Tourguide Werner Pfeifer zu treffen. Letzteren beschäftigte nach Aufenthalten in Deutschland, England, Dänemark und Schweden schon geraume Zeit der Gedanke an die Etablierung eines Freilichtmuseums in Namibia nach Art der europäischen Lebenden Museen. Kurze Zeit später diskutierten Kultur-Experte Pfeifer und Lehrer N!aici das Konzept des „Lebenden Museums“ und entwickelten eine namibische Adaption, die in der Lage sein könnte, das Leben der Ju/Hoansi beispielhaft zu repräsentieren. Allen Stereotypen von der Organisationsmüdigkeit der San zum Trotz gelang es Ghau N!aici mit Unterstützung einiger Ju/'Hoansi binnen kürzester Zeit ihre eigenen Ideen kreativ zu vereinigen und in die Tat umzusetzen. Sie bauten etwas abseits ihres Dorfes zwei traditionelle Hütten, die das Zentrum einer jeden Ju/Hoansi-Nomadensiedlung bilden, fertigten Schmuck und Waffen, erinnerten sich ihrer Tänze, Gesänge und Rituale und arbeiteten verschiedene Programmpunkte aus, die sie einmal interessierten Gästen präsentieren könnten. Als Pfeifer das nächste Mal in Grashoek vorbeischaute, war er beeindruckt vom Fleiß und vom Arbeitsmut der Ju/Hoansi. „Die San hatten sogar einen kleinen Campingplatz für die Besucher angelegt, ohne Wasser und Toiletten zwar, dafür aber schön gelegen auf einer kleinen Lichtung im Busch nahe des Lebenden Museums“ erklärte Pfeifer.
Auf dem Weg zum Erfolg
Mit einigen Reiseveranstaltern, wie zum Beispiel mit Carsten Möhle von Bwana Tucke-Tucke organisierte Werner Pfeifer daraufhin eine Eröffnungsveranstaltung, die das Lebende Museum offiziell einweihen sollte. Ein großes Straßenschild war gesponsert worden, welches Pfeifer mit einigen Ju/Hoansi an der abseits gelegenen Schotterstraße aufstellte. Im Juli 2004 kamen dann viele Besucher nach Grashoek zur Einweihungsfeier und bestaunten die ursprüngliche, nun wieder lebendig gewordene Kultur der Ju/Hoansi. Sie alle waren sich einig, dass diese Menschen Maßstäbe gesetzt hatten, Maßstäbe in Authentizität und Leidenschaft der Darstellung ihrer, in Vergessenheit geratenen Kultur. Besonders Pfeifer freute sich, da seine Idee, den Erwerb eines Einkommens mit der Weitergabe der traditionellen Kultur zu verbinden, scheinbar funktionieren könnte.
Doch auch Bedenken trübten Pfeifers Optimismus: „Kann ein solches Projekt, dass fernab der üblichen Tourismusrouten liegt, wirklich über längere Zeit bestehen? Besitzen die San auch dann noch Durchhaltevermögen, wenn einmal 2 Monate gar kein Besucher das Lebende Museum besucht?“ waren bloß einige der vielen Fragen, die ihn beschäftigten. Der Zufall wollte es, dass schon am ersten Tag nach der Eröffnung des Museums zwei Touristen durch das Schild auf die überraschten Ju/Hoansi aufmerksam wurden und sich für eine Buschwanderung zusammen mit einer San-Familie entschieden. Seitdem haben die Ju/Hoansi fast täglich Besucher, selbst größere Reisegruppen finden in das abseits gelegene Dorf. Diese sorgen so nicht nur dafür, dass sich das Einkommen der Ju/Hoansi erhöht. Sie sind auch indirekt dafür verantwortlich, dass sich die San wieder mit ihrer ursprünglichen Kultur beschäftigen, diese zum Beispiel an ihre Kinder, die bei jeder Vorstellung dabei sind, weitergeben. Durch das professionelle und zuverlässige Auftreten der San haben inzwischen viele namibische Reiseveranstalter einen Besuch des Lebenden Museums fest in ihre Reiseprogramme integriert.

