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Das Konzept "Lebende Kulturen"

Prinzipien der Living Culture Foundation Namibia

Die Entwicklungsarbeit derLCFN richtet sich im Wesentlichen nach folgenden vier Basisprinzipien:

- Eigenentwicklung & Eigenverantwortung
- Partizipation
- Authentizität
- geringer Finanzaufwand

Eigenverantwortung und Eigenentwicklung

Einer der wichtigsten Ansatzpunkte der LCFN für eine erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit ist die kulturelle Eigenentwicklung und die damit verbundene maximale Verantwortung der Projektträger für das Projekt. Nicht selten scheitern Projekte der Entwicklungspolitik daran, dass sie in den zu entwickelnden Gebieten als Versuch einer fremden Einflussnahme verstanden werden. Die LCFN ist der Überzeugung, dass Entwicklungszusammenarbeit als exogener Faktor dem menschlichen Willen zur Eigenentwicklung entgegensteht.

Fremdbestimmte Entwicklungshilfe kann als Verletzung der Eigenverantwortlichkeit von innergesellschaftlichen Systemen verstanden werden. Dadurch kommt es sehr oft zur Ablehnung von Entwicklungshilfeprojekten seitens der zu entwickelnden Gruppen. Andererseits entstehen häufig Abhängigkeitsverhältnisse, wenn fremdbestimmte Projekte ausgeführt werden. Entwicklung muss von selbst, von innen kommen, nur dann ist es möglich, die größtmögliche, für eine Entwicklung notwendige Verantwortung für ein Projekt zu entwickeln.

Die LCFN fördert daher ausschließlich Unternehmungen, die von den Projektträgern selbst entwickelt worden sind. Die Projekte können von der LCFN in Kooperation mit Mitgliedern der zu entwickelnden Gruppe initiiert und konzipiert werden, es können Ideen generiert und Planvorschläge vorgestellt werden, die Projekte selbst sollen aber von den Projektträgern entwickelt und ausgeführt werden. Dieser Ansatz besitzt zwei entscheidende Vorteile:

1. Angestrebte Pläne werden nur dann von einer Gruppe realisiert, wenn sie innerhalb deren kulturspezifischen Sinnhorizonte einen Wert besitzen, wodurch die Möglichkeit, sinnfreie Projekte zu erschaffen, stark verringert wird.

2. Es erhöht sich die Identifizierung der Projektträger mit dem Projekt, denn es ist ihr eigenes, selbst erschaffenes und verwaltetes Unternehmen, welches neue Einkommensmöglichkeiten kreiert und das kulturelle Bewusstsein der Gruppe fördert. Schließlich können die Projektträger durch die maximale Selbstverantwortlichkeit für ihr Projekt nachhaltig Lern- und Problemlöseprozesse entwickeln. Die LCFN geht davon aus, dass nur wenn diese Faktoren erfüllt sind, eine allumfassende Akzeptanz des gesamten Projektes durch die Projektträger möglich ist.

Partizipation

Durch die Partizipation der Projektträger in jeder Prozessstufe der Entstehung eines Projektes erhöht die sich Identifizierung mit dem Projekt. Die Menschen, die sich dafür entscheiden, ein von der LCFN initiiertes Projekt zu entwickeln, sollen jeden Prozess der Entstehung des Projektes selbst gestalten. Sie sind verantwortlich für Ideenentwicklung, Design und Durchführung der Planung, sowie für Etablierung, Vollendung und Auswertung des Projektes. Während dieser Prozesse zur Gestaltung der Projektvorhaben werden sie von der LCFN unterstützt.

Authentizität

Die Projekte innerhalb des Konzeptes „Lebende Kulturen“, die entscheidender Bestandteil des Förderprogramms der LCFN sind, leben von der Darstellung realistischer und traditioneller Kultur der jeweiligen Gruppe. Von besonderer Bedeutung dabei ist die Authentizität und Glaubwürdigkeit der Darstellung.

Die LCFN unterstützt ausschließlich Projekte, die aufgrund des Forschungsstandes zu der zu fördernden Gruppe als authentisch verstanden werden können. Nur wenn die dargestellten Teile der Kultur auch wirklich der traditionellen Kultur einer bestimmten Gruppe zu einem gewissen Zeitpunkt entsprechen, können die Projektträger neue Einkommensmöglichkeiten erschaffen und gleichzeitig den weiteren Verlust ihrer Kultur verhindern. Besonders der Aufbau einer neuen kulturellen Identität wird nur dann funktionieren, wenn die ursprüngliche Kultur so authentisch wie möglich präsentiert wird.

Geringer Finanzaufwand

Von besonderer Bedeutung im Konzept „Lebende Kulturen“, ist die Tatsache, dass sich alle Projekte ohne riesigen Finanzaufwand realisieren lassen. Zur Etablierung der Projekte benötigen die Projektträger selten Ressourcen von außen, sie müssen ausschließlich Arbeitskraft investieren. Die LCFN fördert entstandene Projekte nur durch Vermarktung, Werbung, Infrastruktur, Weiterbildung und ähnliches. Bis auf wenige Ausnahmen werden die Projektträger direkt keine finanzielle Hilfe zu erwarten haben. Der Spender soll nicht als Spender erkannt werden, damit keine Abhängigkeit der Projektträger vom Spender impliziert wird. Im Verständnis der Projektträger entsteht so die sehr wichtige Eigenverantwortlichkeit und eigene Identifizierung mit dem Projekt.

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