By Martin Büttner on Sonntag, 04. Dezember 2016
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Neben den bereits seit einiger Zeit erfolgreich bestehenden „Lebenden Museen“ der Mafwe, Mbunza, Ju/'Hoansi und Damara wurde am 5. November 2016 das nunmehr sechste „Lebende Museum“ der Living Culture Foundation Namibia (LCFN) in Namibia feierlich eröffnet.

Damit sind die Ovahimba die fünfte Volksgruppe, die mit einem eigenen „Lebenden Museum“ in Namibia Besucher zum Kennenlernen ihrer Kultur einlädt.

Was mit einer gemeinsamen Idee begann, konnte mit viel Fleiß, Schweiß und der bereits bewährten konzeptionellen Hilfe durch die LCFN in relativ kurzer Zeit in die Wirklichkeit umgesetzt werden. Besonders der guten Zusammenarbeit der LCFN mit John Tjipurua, dem Manager des Museums ist es zu verdanken, dass die Eröffnung des Museums am 5.November zum Erfolg für alle Beteiligten und zu einem wunderbaren Erlebnis wurde.

Das Lebende Museum der Ovahimba

Das Museumsdorf liegt eingebettet in eine kleine Bergkette 40 km nördlich von Opuwo, für Kenner strategisch günstig auf der C43 in Richtung den Epupa Wasserfällen. Mit einem eigenen Campingplatz umrahmt von zwei kleinen Höhlen und einem gigantischen Baobab, ist die Lage einzigartig. Im Westen legt sich das Kaokoveld zu Füßen.

Das Museumsdorf wurde der traditionellen Struktur eines Himbadorfes vor der Kolonisierung folgend errichtet, da Authentizität bei der Realisierung und dem Betrieb der Lebenden Museen im Vordergrund stehen. Umringt von einem kreisförmigen Zaun aus Kameldornbüschen reihen sich etwa 12 große und kleine Hütten mit der wunderschönen Hauptfrauenhütte gegenüber des Haupteinganges aneinander. Zwischen dieser und dem Viehkraal (der kleinen Koppel für die Ziegen und Kühe) liegt die Stelle des „Heiligen Feuers“, welches niemals erlöschen darf und die Verbindung zwischen den lebenden Mitgliedern der Gesellschaft und den Verstorbenen aufrecht erhält. Zwischen den kleinen Hütten wurden Unterstände errichtet unter denen Maismehl gemahlen, Leder gegerbt oder Gefäße getöpfert werden. Außerhalb des Dorfes zeigt der Schmied sein Können. Zum jetzigen Moment wird das Museum von ca. 40 Akteuren unterschiedlichsten Alters betrieben. Die meisten von ihnen konnten bereits in der vergangenen Zeit Erfahrung mit dem Umgang mit Besuchern machen.

Vorbereitungen zur Eröffnung

Bereits 2 Tage vor der Eröffnung reiste eine Gruppe bestehend aus 8 LCFN Mitgliedern (unter ihnen auch Ralf Kühn und Sebastian Dürrschmidt, den beiden Vorsitzenden der LCFN) aus Deutschland, Namibia, der Slowakei und der Tschechischen Republik in das Kaokoveld, um bei den letzten Vorbereitungen zu unterstützen und sich einen abschließenden Überblick über die Einrichtungen des Museumsdorfes und den geplanten Aktivitäten zu verschaffen. Aus Windhoek brachte man dafür mit einem großen Anhänger 6 bedruckte Schilder unterschiedlicher Größe mit zum Museum. Diese mussten noch vor der Eröffnung angebracht werden, was sich bei den trockenen und steinigen Bodenverhältnissen als ein etwas schwieriges Unterfangen darstellte. Pünktlich zur feierlichen Eröffnung standen die Schilder dann und es kamen bereits in den ersten Stunden nach Aufbau einige Interessierte zum Museumsdorf.

Zur Eröffnung statteten neben den LCFN Mitgliedern auch 2 Reporter, eine Vertreterin der ATC, eine der größten Reiseagenturen Namibias, und eine erste Reisegruppe dem Museum einen Besuch ab.

Karoline, Mitarbeiterin von „Hitradio Namibia“ führte Interviews mit allen Beteiligten und fügte das gesammelte Material zu einem kurzen und aussagekräftigen Bericht zusammen. Dieser wurde bereits einige Tage später mehrmals im Radio präsentiert.

Die Eröffnung

Gegen 11.30 Uhr starte die Einweihung mit einer ausgiebigen Einführung in die Geschichte und das allgemeine Leben der Ovahimba durch Manager John, der gleichzeitig als Museumsführer fungiert. Nach der Erklärung zur Bedeutung und Nutzen des zentralen Viehkraals hatten die Besucher die Möglichkeit, sich beim Ziegenmelken auszuprobieren.

Kurz danach wurde auch seitens der Museumsdarsteller das Museum offiziell eröffnet. Dafür wurde eine Kuh, welche die LCFN sponsorte, rituell geopfert. Eine nicht alltägliche Erfahrung für die meisten der Angereisten. Beim Zerlegen wurden sie Zeugen einer alten Tradition, des Lesens der Zukunft in den Eingeweiden des Tieres. Zu hoffen bleibt dabei, dass nicht alles was gedeutet wurde, auch eintreffen wird.

Nachdem das Tier zerteilt und seiner Bestimmung zugeführt worden war, wurden die Gäste in die Schmiedekunst eingeführt. Die Schmiede liegt wie in Namibia üblich etwas außerhalb des Dorfes, denn die Schmiedekunst gilt als etwas Geheimes, was nicht mit den Besuchern des Dorfes geteilt werden darf.

Mit der anschließenden Buschwanderung wurden Bedeutung und Nutzen vieler verschiedener Pflanzen und Bäume erklärt.

Auch das traditionelle Herstellen von Schmuck und das Schnitzen wurden gezeigt. Und bei allen Aktivitäten war es möglich für die Anwesenden alles selbst auszuprobieren, das beste Mittel, die Kultur der Himba wirklich und hautnah zu erleben.

Als Höhepunkt kann hier nur der Gesang und die Tänze genannt werden. Jeder einzelne Besucher wurde genannt und in einer kleinen Geschichte tanzend und singend vorgetragen.

Die Interaktivität und das reichhaltige Angebot an Dingen, die man erfahren und lernen kann, zeichnet dieses „Lebende Museum“ aus.

Das Angebot, was den Besuchern geboten wird, ist riesig und wird durch die Motivation aller Darsteller mit vielen guten Impressionen und Emotionen gefüllt. Man begibt sich in eine andere Welt und taucht in ihr ab.

Mit der Gestaltung des Dorfes und der Einhaltung der Richtlinie „Authentizität“ haben alle Beteiligten gute Arbeit geleistet. Besonders bemerkenswert ist auch, dass sich alle Ovahimbamänner ernsthaft und fleißig am Projekt beteiligen. Dies ist ein wichtiger Baustein, der zum Erfolg des Museums beitragen wird. Seit den ersten Gesprächen mit John hat sich die Gruppe der Akteure des „Lebenden Museums“ um neue Leute erweitert, wobei der alte Stamm dabeigeblieben ist. Dies ist gut, da es zeigt, dass die Teilnehmer an dieses Projekt glauben und auch Vertrauen in das Konzept und den Manager haben.

Mit dem sich anschließenden sehr schönen Campingplatz „Omungunda“ haben alle Gäste die Möglichkeit auch mehrere Tage mit den Himba zusammen zu verbringen. Bei der Menge an angebotenen Aktivitäten ist dies auch ratsam.

Abgeschlossen wurde der erfolgreiche Eröffnungstag mit ein paar kurzen Dankessätzen beider Seiten. Von jetzt an liegt der Erfolg allein in den Händen aller Museumsangestellten.

Es ist ihnen von Herzen zu wünschen.

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