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Am Mittag verließen wir das Lebende Museum in Richtung Westen, um auf eine Buschwanderungen zusammen mit den Buschleuten aus dem Living Hunter’s Museum zu gehen. Auch wenn man schon zig Mal auf einer Buschwanderung mit den San war, so ist es doch immer wieder eine schöne, entspannte Aktivität, bei der man sich in der Zeit zurückversetzt fühlt und das alte Leben im Busch zu spüren beginnt. Die Gedanken schweifen wie von selbst in die Ferne, der Stress, der Alltag der Stadt – alles scheint weit weg. Man konzentriert sich nur auf das Wesentliche: Immer schauen wo man hintritt, es gibt Schlangen, Skorpione und andere Tierchen, auf die man nicht unbedingt treten sollte.  Hin und wieder entdeckt eine der Sanfrauen etwas Besonderes, wie zum Beispiel die nach alten Kartoffeln schmeckende Dchun (Walleria Nutans) – im Volksmund Buschkartoffel, die wasserspeichernde, für das Überleben der alten Buschleute so wichtige !ai!ai (Raphionacme Velutina) – Wasserwurzel oder die G!oma (Sansiviria Pearsonii), eine als Oryxhorn oder Schwiegermutterzunge bekannte Sisalpflanze, die zur Herstellung von Schnüren und Seilen benutzt wird.

Der fast schon meditative Bushwalk wurde begleitet von dem regen Unterhaltungen der San, oft wurde kurz gestoppt, um Wildtierspuren zu analysieren, es wurde gegraben, gepflückt, gezupft. Plötzlich erklang ein großes Geschrei und Jauchzen, wir dachten erst, ein wildes Tier sei aus dem Busch gesprungen, doch nein – eine der älteren Frauen sprang unter einen Busch und grub eine kleine braune Knolle aus.

Es folgte ein Gespräch untereinander, der Übersetzer erklärte uns anschließend, die braune Knolle sei ein DcooDcoo, ein „Truffles“. Wir schauten uns an und betrachteten die Knolle dann etwas näher. Tatsächlich die Buschleute hatten eine Kalahari-Trüffel gefunden.

Tsamkxao mit der Kalahari Trüffel

Die Trüffel gibt es vor allem - so dachten wir zumindest – in der südlich Kalahari. Wir waren uns nicht darüber bewusst, dass diese auch im nördlichen Bereich des riesigen Sandbeckens vorkommen. Wir fragten, ob die San sicher seien, dass es sich hierbei um eine Kalahari Trüffel handelt, eine unnötige Frage, denn schon wurde erneut begeistert gejauchzt, die nächste Trüffel wurde gefunden.

Kalahari Trüffel (Terfezia pfeilii) kommen ausschließlich nach späten Regen und am Ende einer außergewöhnlich guten Regenzeit vor. Wie ihre Verwandten, die europäischen Trüffel sind sie sehr schmackhaft und selten, wenngleich auch nicht annähernd so teuer. Während in Europa die normalen Trüffeln mit etwa zu 9000 € pro Kilo gehandelt werden, kosten die afrikanischen Kalaharitrüffel in etwa 10 € das Kilo.

Wir überredeten nun die San auf das Ausgraben der anderen Pflanzen der Buschwanderung zu verzichten und uns auf die Trüffel zu konzentrieren. Alle Leute, Gäste wie Buschleute halfen mit, die Trüffel zu suchen. Diese wachsen an der Schattenseite von recht dichten Büschen, man erkennt sie an der sternförmig aufgeplatzten Erde. Am Anfang dachten wir (vor allem wir Touristen), dass es unmöglich sei, selbst einige dieser wunderbaren Pilze zu finden, doch mit der Zeit gewöhnten sich unsere Augen wohl an die Verhältnisse und nahmen nur das Wesentliche wahr. Schattenseite – Sternförmig aufgeplatzt – Da! Tatsächlich ... eine braune kinderfaustgroße Knolle, verschrumpelt und mit feuchter Erde bedeckt. Die Guides wollten uns noch auf Kuduspuren und Buschkarotten hinweisen aber wir hatten nur noch Augen für die Trüffel.

Unsere Trüffelausbeute

Am Ende des Nachmittags hatten wir eine stattliche Menge Trüffeln gefunden. Nach vielen Dankesreden an unsere Buschleute-Freunde, die uns die kompletten Trüffeln schenkten, kamen wir zum Camp zurück. Hier wuschen wir die Trüffeln, putzen sie sorgsam, wuschen sie erneut und schnitten sie vorsichtig in kleine Ringe. Dann brieten wir sie mit Zwiebeln an, löschten alles mit Sahne ab und ließen die Trüffelsoße einköcheln. Am Ende des Tages hatten wir zu unserem namibischen Fleischfondue die beste Soße, die man sich vorstellen kann!